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Leistungsdiagnostik beim Laufen: Was ist zu beachten?

Der Titel mag sich sehr medizinisch anhören, könnte aber jeden betreffen der regelmäßig joggen geht, einen Marathon anstrebt oder auch gerade erst angefangen hat mit dem Laufen. Also alle leidenschaftlichen Läufer (oder die, die es werden wollen) aufgepasst: Hier erfahrt ihr, worauf es bei einer Leistungsdiagnose ankommt und warum Leistungsdiagnostik (nicht nur) beim Laufen wichtig sein kann.


Was ist Leistungsdiagnostik?

Die Leistungsdiagnostik erfasst im Allgemeinen gesundheitsrelevante Daten. Dazu gehören z. B. EKG, Belastungs-EKG, Blutdruckverhalten in Ruhe, Belastung und Erholung sowie Lungenfunktionsdiagnostik.

Laut wikipedia umfasst „die Leistungsdiagnostik im Sportbereich Untersuchungs- und Testverfahren, die Auskunft über den aktuellen Gesundheitszustand, die Belastbarkeit und den Leistungsstand eines Sportlers.“ Sie ermittelt außerdem für das Training relevante Werte, vorwiegend im Ausdauerbereich, auf deren Basis Empfehlungen zur Optimierung des Trainings ausgearbeitet werden können.

Was bringt mir eine Leistungsdiagnose?

Warum man sich für eine Leistungsdiagnose entscheidet, kann verschiedene Gründe haben. Generell ist die Leistungsdiagnostik im Ausdauersport, besonders für Läufer (aber auch Radfahrer, Schwimmer und bei verschiedenen Ballsportarten) von großem Nutzen. Mit den Daten der Diagnose können darauf aufbauend folgende Vorteile für den Einzelnen entstehen:

  • exakte Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit
    (derzeitiges und potentiell zukünftiges Leistungslevel einschätzen)
  • Bestimmung der individuellen anaeroben Schwelle
  • Optimierung und Individualisierung des Trainings (v.a. Trainingsplanung, Trainingsintensität); besonders bei Läufern auch die Wahl des Tempos und der Herzfrequenz
  • Erkennen von eigenen Grenzen, ein gewisser Schutz vor Überlastung
  • Angst vor Überlastung reduzieren und folglich ein genaueres Körpergefühl sowie bessere Selbsteinschätzung
  • eine Alternative zum Gesundheitscheck (auch aufgrund der Belastungen durch häufiges Laufen oder bei Wiedereinstieg)
  • als Basis für die Prävention von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Burnout, zur Stressbewältigung oder Gewichtreduktion
  • auch in gewissen Branchen bei der Wahl von Mitarbeitern interessant

Manch einer läuft einfach los, dennoch könnte man sich die Vorteile einer Leistungsdiagnose durch einen Experten mal vor Augen führen, um zu schauen, ob diese nicht eine Option wäre.

Für wen ist eine Leistungsdiagnostik geeignet?

Eine Leistungsdiagnostik ist in erster Linie sinnvoll für Ausdauersportler. Ganz besonders für:

  • Laufanfänger bis hin zu (Halb-) Marathonläufer sowie auch Mittelstrecken- und Langstreckenläufer
  • Sprinter (200-400 m, auch Hürden)
  • Schwimmer
  • Rennrad- und Mountainbikefahrer
  • Duathleten & Triathleten
  • ebenfalls im Bereich Fußball, Basketball, Eishockey und Feldhockey

Das Leistungsniveau bzw. Trainingslevel kann variieren. Egal, ob man gerade erst Anfänger ist oder bereits professionell ausdauerorientiert trainiert. Es geht im Endeffekt um die Ziele und um Individualität.

Leistungsdiagnostik außerhalb des Sports

Oben wurde es bereits angedeutet. In diesem Artikel möchte ich auch kurz aufgreifen, dass eine Leistungsdiagnostik auch außerhalb des Sportbereichs sinnvoll sein kann und sozusagen der „Otto Normalverbraucher“ gewissen Nutzen davon hat.

Besonders bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen könnte eine Leistungsdiagnostik sinnvoll sein. Dazu gehören unter anderem eine geringe Belastbarkeit, Stimmungs- und Konzentrationsprobleme sowie Burnout. Aber auch Probleme mit Übergewicht und den daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken wie bspw. Bluthochdruck, metabolisches Syndrom und Insulinresistenz, Diabetes etc.

Lauf-Anfänger aufgepasst!

Derjenigen, die gerade erst mit Joggen anfangen können sogar einen größeren Nutzen aus den Daten der Leistungsdiagnose ziehen als professionelle Läufer.

Interessant ist vor allem dann der Bereich der Trainingssteuerung. Mit dieser ist es möglich, individuelle Empfehlungen für optimale Trainingsintensitäten festzulegen und bewusst ein mögliches Übertraining zu vermeiden.

Gerade Laufanfänger sind sehr übermotiviert und ehrgeizig, sobald sich erste Erfolge zeigen. Zum Beispiel, wenn man einen Kilometer mehr geschafft als beim letzten Lauf. Ich persönlich wollte mich steigern von 5 km auf 10 km. Einfach die Kilometerzahl zu verdoppeln kann bei Manchen klappen, war bei mir aber reine Überschätzung und führte zu einer längeren Trainingspause, sodass ich wieder „klein“ anfangen konnte ohne wirklichen Fortschritt.

Folgen eines „falschen“ Trainings aufgrund fehlender Leistungsdiagnose

Falsche Trainingsansätze oder unrealistische Trainingsziele können zu Verletzungen führen. Die häufigsten Sportverletzungen beim Laufen, die auftreten können, sind:

  • Muskelkater, Muskelverhärtung
  • Krämpfe
  • Kreislaufprobleme, Seitenstechen
  • gereizte Sehnen bis hin zu Sehnenentzündungen, z.B. Probleme mit der Achillessehne
  • Bänderdehnung, Bänderriss
  • Verstauchung, Prellung, Zerrung
  • Knieschmerzen
  • Plantarfasziitis (Schmerzen an der Fußsohle am Übergang zur Ferse)

Eine Leistungsdiagnose könnte in diesem Zusammenhang dabei helfen, dass die genannten Verletzungen und Übertrainingserscheinungen von Vornerein vorgebeugt werden.

Leistungsdiagnostik für Marathonläufer

Erfahrene Läufer, die einen Marathon anstreben, ziehen durch die Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit mit Einschätzung der zukünftigen, potentiellen Leistung einen großen Nutzen.

So kann es vermieden werden, dass es zu einem Einbruch der Leistungsfähigkeit durch ein zu hohes Starttempo kommt, wenn Marathonläufer ihr Leistungspotenzial kennen.

Die Leistungsdiagnose kann auch kurzerhand noch vor einem Wettkampf absolviert werden, wenn es zu keiner außerordentlichen Erschöpfung kommt. Dennoch wäre es für eine Marathonvorbereitung sinnvoll, die leistungsdiagnostische Untersuchung acht bis zehn Wochen vorher durchzuführen. Alternativ macht man zwei Diagnosen zum Vergleich, um letzte gute Hinweise für’s Training und auch eine mögliche Wettkampfzeit zu erhalten.

Wie sieht eine professionelle Leistungsdiagnostik aus?

Je nachdem, aus welchem Grund man eine Leistungsdiagnose machen lässt, gibt es verschiedene Ansätze der Diagnose. Bevor man sich aber einem leistungsdiagnostischen Test unterzieht, sollte Inhalt, Zeitpunkt und Anbieter gut ausgewählt sein. Für eine Leistungsdiagnostik zur Optimierung des Trainings wäre es wünschenswert, wenn man schon ein wenig Trainingserfahrung mitbringt.

Die Sportmediziner und Ärzte der ORTHOPARC Klinik gestalten spezielle Leistungsdiagnosen gemeinsam mit der Sporthochschule Köln und dem Olympiastützpunkt. Sie haben grundlegend folgenden Ablauf der leistungsdiagnostischen Untersuchung:

  • persönliches Gespräch (Anamnese)
  • Aufnahme aller antropometrischen Daten (Bestandsaufnahme bisheriger sportlicher Aktivitäten und der daraus resultierenden Beschwerden)
  • orthopädische Untersuchung
  • Ganganalyse und eine Haltungs- und Bewegungsanalyse

Sämtliche Testverfahren werden individuell auf die persönlichen Voraussetzungen und Wünsche des Probanden abgestimmt. Als Resultat der persönlichen Beratung durch den behandelnden Arzt wird ein individueller Trainingsplan erstellt, der auf die diagnostizierte Leistungsfähigkeit abgestimmt ist. Darauf aufbauend legt man die Art und den Umfang der weiteren empfehlenswerten Leistungsdiagnostik festgelegt. Dies kann dann so aussehen:

  • Bestimmung der Belastbarkeit auf dem Laufband-, Fahrrad-, Ruder- oder Drehkurbelergometer
  • Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme mit Spiroergometrie im Labor oder im Feld
  • Fußdruckanalyse
  • Haltungs- und Bewegungsanalyse

Die Ergebnisse werden schriftlich festgehalten und ausgewertet, woraus sich dann zusätzlich allgemeine Trainingsempfehlungen sowie -Optimierungen ergeben.

Wie läuft die Leistungsdiagnostik für Läufer ab?

Wie es schon zu erahnen ist, wird eine Leistungsdiagnose für Läufer üblicherweise auf dem Laufband durchgeführt. In einem Artikel auf Runnersworld wird der Ablauf gut beschrieben und die Art der Leistungsdiagnostik muss streng genommen nach Sportart unterschieden werden.

Laufen, eher Gehen, ist im Grunde genommen eine natürliche Fortbewegungsart. Deshalb ist die Laufbanddiagnose auch für „untrainierte“ Personen oder Anfänger eigentlich besser geeignet. Auf dem Laufband werden durch die Beanspruchung mehrerer Muskeln in der Regel höhere absolute Werte bei der maximalen Herzfrequenz sowie der maximalen Sauerstoffaufnahme gemessen als bei einer Messung auf dem Fahrradergometer.

Bei der Diagnose auf dem Fahrrad sind frühzeitige Ermüdungserscheinungen möglich. So zum Beispiel in Form von „brennenden Oberschenkeln“, wenn der Radfahrer ungeübt ist. So wären bspw. Tests auf dem Fahrradergometer nur fürs Radtraining nützlich. Für Triathleten müsste laut dieser Unterscheidung für jede Sportart eine eigene Leistungsdiagnose durchgeführt werden. Aber zurück zum Läufer:

Exakte Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit

Um die Ausdauerleistungsfähigkeit festzustellen, müssen sogenannte Mehrstufentests durchgeführt werden. Angefangen wird ungefähr bei einer Laufgeschwindigkeit von ca. 4-6 km/h für knapp 3 Minuten. Daraufhin steigert sich die Geschwindigkeit in festen Abstufungen – meistens um die 2 km/h – bis eine endgültigen Erschöpfung erreicht wird.

Laktattest

In den meisten Leistungsdiagnosen wird ein klassischer Laktattest durchgeführt. Laktat gilt als der beste Indikator für eine objektive Beurteilung der Ausdauerleistungsfähigkeit.

Es ist auch bekannt als die Milchsäure (oder auch Pyruvat), die bei intensiver, steigender Belastung in der Muskulatur zunehmend entsteht. Laktat entsteht vor allem dann, wenn während der Belastung der aufgenommene Sauerstoff nicht ganz ausreicht, um den im Muskel benötigten Energiebedarf zu decken.

Am Ende jeder Belastungsstufe wird in der Regel eine Ruhephase eingelegt, damit die Herzfrequenz sowie die Blutkonzentration der Substanz Laktat bestimmt werden kann. Dazu entnimmt wenige Tröpfchen Blut aus dem Ohrläppchen. Die Belastungsintensität wird durch die angestiegene Blutlaktatkonzentration aufgezeigt.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist dann gut ausgeprägt, je später beim Laktattest des Laktat ansteigt.

Die anaerobe Schwelle

Eine weitere wichtige Größe für Ausdauertraining und Leistungsfähigkeit ist die anaerobe Schwelle.

Sie ist die maximal mögliche Leistung, welche man dauerhaft und ohne zunehmende Übersäuerung aufrechterhalten kann. Training unterhalb der anaeroben Schwelle ist durch den Vorrat an Energie im Körper begrenzt. Sport oberhalb der anaeroben Schwelle ist durch die unweigerlich bis zum Maximalwert zunehmende Übersäuerung begrenzt.

Für die Bestimmung der individuellen anaeroben Schwelle gibt es verschiedene Verfahren. Dazu zählen die bereits erwähnte Laktatmessung, Conconi-Test, Senkentest und weitere.

Als Grundlage zur Ermittlung der anaeroben Schwelle wird die ansteigende Blutlaktatkonzentration bei zunehmender Belastungsintensität als Grundlage genommen. Anhand der gemessenen Lactatkonzentration im Blut kann abgeschätzt werden, wo sich die individuelle anaerobe Schwelle befindet.

Ist die anaerobe Schwelle bekannt, können die Trainingsbereiche für Läufer ausgerichtet werden, zum Beispiel bezüglich des Lauftempos. Plant man z.B. einen langen, ruhigen Dauerlauf, wäre ein Tempo ohne jeglichen Anstieg der Blutlaktatkonzentration sinnvoll. Einen Tempolauf hingegen sollte im Bereich der anaeroben Schwelle stattfinden (ca. 93 bis 101 % der anaeroben Schwelle).

Die Atemgasmessung

Eine weitere Methode der Leistungsdiagnostik ist die Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme mit Spiroergometrie im Labor oder im Feld.

Die Spiroergometrie ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem Atemgase während körperlicher Belastung gemessen werden, um die Reaktion von Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel sowie die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit qualitativ und quantitativ untersucht wird. Die Atemgasmessung erfolgt mit einem Spirometriegerät, also über eine Atemmaske, welche die Exspirationsluft (Ausatemluft) der Testperson analysiert.

Wann ist eine Atemgasanalyse sinnvoll?

Durch diese gleichzeitige Messung der Sauerstoff- und Kohlendioxidkonzentration beim Ein- und Ausatmen, kann die Sauerstoffaufnahme (VO2) und Kohlendioxidabgabe (VCO2) erfasst werden und macht außerdem auch die Messung des VO2max, also die maximale Sauerstoffaufnahme, möglich.

Durch die Ermittlung des VO2max kann die maximale körperliche Leistungsfähigkeit gemessen werden. Außerdem kann durch diese Größe die Funktionsreserve des Herz-Kreislauf-Systems sowie die aerobe Kapazität der eingesetzten Muskelgruppen beurteilt werden.

Eine Leistungsdiagnostik mit Laktatmessung und Spiroergometrie erfasst sehr detaillierte Ergebnisse bezüglich der Sauerstoffaufnahme an der Dauerleistungsgrenze, der maximalen Sauerstoffaufnahme und trifft mögliche Aussagen das Fettstoffwechsel- und aerobe Kohlenhydratstoffwechselverhalten.

Wie geht es nach einer Leistungsdiagnose weiter?

Nun hast du die ganze Prozedur durchgemacht und kennst sämtliche Werte. Was fängt man nun mit den Untersuchungsergebnissen an? Wie sieht der neue Trainingsplan aus?

Die bereits oben erwähnte ORTHOPARC Klinik gibt zum Beispiel auf Basis der Daten aus der Leistungsdiagnose vor allem trainings- aber auch ernährungsspezifische Empfehlungen, sodass beides stimmig ist und zum Ziel des Athleten passt.

Denn auch ein noch so gutes Training wird nicht funktionieren, sofern die Ernährung nicht stimmt.

Zusätzlich kann – auf den Daten aufbauend – ein passender, individueller Trainingsplan gestaltet werden. In der Klinik zum Beispiel wird ein einfacher Trainingsplan wöchentlich für drei Monate ausgearbeitet. Darin enthalten sind je nach Diagnose leichte bis intensive Trainingseinheiten mit variierenden Zeiten und Pulsfrequenzen und auch genügend Zeit für Regeneration.

So wird das Lauf-Training effizienter und strukturierter gestaltet bezüglich Kondition, Tempo, Kraft und Beweglichkeit unter dem Aspekt, dass Verletzungen vorgebeugt werden.


Fazit:

Die Leistungsdiagnostik im Ausdauerbereich hilft Läufern vor allem bei der Optimierung und Individualisierung des Trainings und ermittelt Daten, die dabei helfen die persönlichen Trainingsziele effizienter zu erreichen.

Selbst Laufanfänger profitieren enorm von einer Leistungsdiagnose, da sie ihnen Gewissheit über Trainingsansätze gibt und z.B. über das anfängliche Lauftempo, ohne sich zu verletzen oder zu überlasten. Aber auch außerhalb des Sportbereichs ist die Leistungsdiagnose eine gute Möglichkeit, um präventiv gegen Erkrankungen vorzubeugen oder gegen sie anzugehen.

 

Bildquelle: pixabay.com

 

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Ein Gedanke zu „Leistungsdiagnostik beim Laufen: Was ist zu beachten?

  1. Hi, interessante Seite mit nützlichen, wirklich umfangreichen Infos. Alle Fragen über Leistungsdiagnostik werden beantwortet. Wenn man vorankommen will, sollte man das machen.

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